Queer-sensibles Coaching: Antworten auf wichtige Fragen
- Markus Aspetzberger

- 11. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Coaching kann eine wertvolle Begleitung sein, um persönliche und berufliche Herausforderungen zu meistern. Gleichzeitig ist Coaching immer etwas sehr Persönliches – und für viele Menschen eine Hürde. Gerade für queere Menschen stellen sich dabei oft zusätzliche Fragen oder Unsicherheiten.
In diesem Beitrag möchte ich einige häufige Anliegen aus der LGBTIQ-Community rund um das Thema queer-sensibles Coaching beantworten – aus meiner Erfahrung und Haltung heraus. Ich möchte zeigen, wie Coaching für queere Menschen unterstützen kann und andere Coaches dafür sensibilisieren, worauf es ankommt.
Wie offen kann ich über meine Identität sprechen?
In einem queer-sensiblen Coaching schaffen wir gemeinsam einen sicheren, wertschätzenden Raum, in dem alle Facetten der Identität respektiert werden. Jede Person kann offen über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität sprechen ohne Sorge zu haben, bewertet zu werden.
Und selbst wenn die Themen gar nicht explizit queer sind, ist es wichtig, dass die Zugehörigkeit zur LGBTIQ-Community nicht zu seltsamen Momenten oder Irritationen führt.
Nach dem Motto: Du bist nicht nur gut genug – du bist gut, so wie du bist.
Beispiel aus der Praxis:
Eine non-binäre Person schilderte, dass sie im Job regelmäßig mit weiblichen Pronomen angesprochen wurde. „Ich habe gelernt, damit zu leben“, sagte sie. Im Coaching reflektierte sie, wie sie privat und beruflich unterschiedlich damit umging, und entwickelte Strategien, um authentischer aufzutreten. Heute wird sie in ihrer neuen Firma als „die coole Person“ beschrieben, ganz ohne Erklärungen, einfach selbstverständlich.
Bist Du als Coach wirklich queer-sensibel?
Als Teil der LGBTIQ-Community kenne ich viele Fragen aus eigenem Erleben. Zudem habe ich mit Menschen gearbeitet, die sich als schwul, lesbisch, trans oder non-binär identifizieren – und weiß, wie wichtig Vertrauen, Verständnis und Sprache dabei sind.
Queer-sensibles Coaching heißt für mich, die Lebensrealität meiner Klient*innen ernst zu nehmen – ohne sie zur Hauptsache zu machen, wenn sie es nicht ist.
Beispiel aus der Praxis:
Eine Transfrau aus Südamerika kam ins Coaching, weil sie Schwierigkeiten hatte, nach ihrem Coming-out wieder in ihren Beruf vor der Kamera zurückzukehren. Heute arbeitet sie als Fernsehkorrespondentin. Der Weg war lang und das Coaching war nur ein Teil davon. Aber sie sagt, es war der Raum, in dem sie sich wieder als handlungsfähig erleben konnte.
Wird meine Gender- oder Sexualitätsidentität respektiert?
Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber tatsächlich noch nicht überall. Mir ist daher wichtig, zu Beginn eines Coachings nicht zur zu klären, ob wir uns duzen oder siezen, sondern auch, ob Pronomen oder andere Anredeformen für dich wichtig sind. Das ist keine „Extra-Leistung“, sondern ein Ausdruck von Respekt.
Beispiel aus der Praxis:
Eine Klient*in nahm es mir nicht übel, wenn ich sie in den ersten Sitzungen mal versehentlich falsch ansprach. Denn von mir wäre sie als männlich gelesen worden und mein Kopf brauchte manchmal einen Moment, um das zu überschreiben. Von dieser Person habe ich gelernt, offen damit umzugehen und auch einfach den Vornamen zu verwenden, bis Sicherheit entsteht.
Geht das Coaching auch auf Diskriminierung ein?
Queer-sensibles Coaching bietet Raum, um Strategien zu entwickeln, mit Diskriminierung, Stress und Unsicherheiten umzugehen. Im Beruf wie im Privatleben. Denn wie alle Menschen, die in der einen oder anderen Form einer "Minderheit" angehören, erleben Personen aus der LGBTIQ-Comunity alltäglich den so genannten Minderheitenstress. Coaching ist dagegen ein sicherer Rahmen, in dem Dinge ausprobiert werden können – eine Art „Labor“, um Neues zu erarbeiten, bevor man es im Alltag anwendet. Das Ziel: Ressourcen aktivieren, Selbstakzeptanz stärken, Selbstwirksamkeit spüren.
Beispiel aus der Praxis:
Ein schwuler Klient wollte sich selbständig machen. Wir arbeiteten an seinem Alleinstellungsmerkmal – und stellten fest, dass sein zentrales Thema gar nicht das „Produkt“ war, sondern die Frage: Wie viel von mir darf in meinem Business sichtbar werden?
Als wir seine Werte herausarbeiteten, fand er den Mut, sie in seinem Unternehmen klar zu leben und zu einem Teil seines Angebots zu machen.
Kann Coaching beim Coming-out unterstützen?
Coming-out ist auch 2025 noch ein Thema, das im Leben queerer Menschen nicht nur einmal passiert. Im neuen Job, im Verein oder beim Umzug kann es immer wieder aktuell werden. Spreche ich darüber? Umschiffe ich das Thema? Greife ich zu einer Notlüge? Oder lege ich es ganz selbstverständlich auf den Tisch?
Im Coaching entwickeln wir Wege, diese Situationen so zu gestalten, dass Selbstbestimmung und Sicherheit im Gleichgewicht bleiben.
Beispiel aus der Praxis:
Ein Mann wollte im Bewerbungsgespräch offen mit seiner Lebenssituation umgehen, ohne sich zu verstecken. So wollte er herausfinden, ob das potenzielle neue Arbeitsumfeld wirklich Akzeptanz zeigen würde. Gemeinsam haben wir Formulierungen erarbeitet, mit denen er das Thema proaktiv, ruhig und souverän ansprechen konnte.
Das Ergebnis: ein authentischer Auftritt und er hatte nach jedem Gespräch Klarheit über sein Gegenüber – von Anfang an.
Braucht mein Thema ein spezifisch queer-sensibles Coaching?
Ich arbeite als systemischer Coach – Empathie, Respekt und Ressourcenorientierung gehören zu meiner Grundhaltung. Gutes Coaching ist zudem immer individuell und sensibel für unterschiedliche Lebensrealitäten. Aber ich weiß auch: Manchmal macht es einen Unterschied, ob ein Mensch wirklich versteht, wie es sich anfühlt, nicht in jede gesellschaftliche Norm zu passen.
Queer-sensibles Coaching bedeutet, diese Perspektiven bewusst mitzudenken oder sie manchmal einfach nicht erklären zu müssen.
Beispiel aus der Praxis:
Eine Wissenschaftlerin stand vor der Entscheidung, ob sie ihre wissenschaftliche Karriere fortsetzen oder ihr kreatives Projekt professionalisieren wollte. Dass sie mit einer Frau zusammenlebt, sollte, einmal ausgesprochen, keine Rolle spielen. Sie wollte einfach sicher sein, dass das auch so bleibt.
Wie finde ich ein Coaching-Angebot, das bezahlbar ist?
Für Menschen, die arbeitssuchend oder arbeitslos sind, gibt es Förderprogramme wie den AVGS-Gutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Damit kann das Coaching vollständig finanziert werden. Ich begleite regelmäßig Klient*innen im Rahmen solcher Programme.
Darüber hinaus biete ich für Menschen aus der Community mit geringem Einkommen Sondertarife an. Einfach bei der Kontaktaufnahme danach fragen (das ist vollkommen okay).
Beispiel aus der Praxis:
Eine junge Absolventin kontaktierte mich nach dem Studium, weil sie Schwierigkeiten hatte, im geisteswissenschaftlichen Bereich eine passende Stelle zu finden.
Das Coaching wurde über den AVGS gefördert – wir aktualisierten ihre Bewerbungsunterlagen, trainierten Bewerbungsgespräche und den Einsatz von KI-Tools.
Was kann ich vom Coaching erwarten?
Systemisches Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Ich gebe keine fertigen Antworten, sondern begleite dabei, eigene Lösungen zu entwickeln, durch Reflexion, Perspektivwechsel und das Erproben neuer Wege.
Es geht nicht darum, den einen „richtigen“ Weg zu finden, sondern den eigenen.
Beispiel aus der Praxis:
Ein Klient kam wegen Unzufriedenheit im Job. Seine Beziehung wollte er außen vor lassen, „die hat ja nichts mit der Arbeit zu tun“.
Im Laufe des Jahres veränderte sich nicht nur sein beruflicher Blick, sondern auch seine Haltung im Privaten. „Ich habe heute einen anderen Blick auf mich“, sagte er am Ende „und das wirkt sich positiv auf meinen Job und meine Beziehung aus.“
Muss ich Sorge haben, im Coaching stigmatisiert zu werden?
Neben Empathie ist die unbedingte Unterstützung meiner Klient*innen die zweite Säule meiner Haltung. Ich bewerte nicht. Ich beobachte, stelle Fragen und respektiere Grenzen. Wenn ich Methoden einsetze, erkläre ich sie immer transparent, als Angebot, nicht als Vorgabe. Und ich lade meine Klient*innen ein, auch mir gegenüber klar zu ihren Grenzen und Bedürfnissen zu stehen. Nur so kann Vertrauen entstehen und wachsen, was für einen erfolgreichen Coaching-Prozess Voraussetzung ist.
Beispiel aus der Praxis:
Ein angehender Schauspieler sprach im Coaching über Situationen, in denen er andere abwertete. Ich teilte meine Irritation offen – nicht als Kritik, sondern als Spiegel.
So entstand ein Bewusstsein, woher diese Abwertung kam und er fand neue Wege, konstruktiv zu reagieren.
Fazit
Queer-sensibles Coaching kann ein kraftvoller Schritt sein, um Identität, Beruf und Leben in Einklang zu bringen – selbstbestimmt und selbstbewusst. Manchmal ist es einfach hilfreich, sich in einem Raum zu bewegen, in dem man nicht alles erklären muss, um verstanden zu werden.
Deshalb begleite ich Menschen aus der LGBTIQ-Community sowohl vor Ort in Berlin-Schöneberg als auch online empathisch, respektvoll und auf Augenhöhe.
Bei Fragen oder Interesse stehe ich für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch per Zoom gerne Rede und Antwort.



