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  • Markus Aspetzberger

Coaching im Tourismus


Coaching im Tourismus - das System einmal von oben betrachten.

Im Tourismus ist neben der Digitalisierung das Thema Arbeitskräfte eine der größten Herausforderungen. Während der Deutschlandtourismus seit neun Jahren von einem Rekord zum nächsten eilt und auch international die Zahlen der Reisenden unaufhaltsam steigt, wird es für viele Unternehmen zunehmend schwieriger, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und zu halten.


An und für sich sind das Punkte, die auf fast jede Branche zutreffen. Aber gerade der Tourismus hat oft zusätzlich damit zu kämpfen, dass die Arbeitszeiten in vielen Bereichen keinen 9-5 Job erlauben, dass der Standort nicht verhandelbar ist, dass der Job eine Vor-Ort-Präsenz verlangt. Tourismus schafft Arbeitsplätze im urbanen wie im ländlichen Raum – wenn aber gleichzeitig der Trend zum Wohnen und Leben in der Stadt so groß ist, wie motiviert man Menschen, im ländlichen Raum zu leben und zu arbeiten? Was kann man als Unternehmer, als Führungskraft tun, um Mitarbeiter zu halten?


Der Tourismus ist die Branche, die für unzählige Menschen die schönste Zeit des Jahres möglich macht. Umso mehr stehen hier deshalb auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen und in allen Bereichen im Mittelpunkt. Denn sie sind es, die für das richtige Angebot sorgen, die sich um Anreise, die perfekte Unterkunft, Verpflegung, das komplette Programm vor Ort, die Rahmenbedingungen kümmern. Und bei allen Möglichkeiten der Digitalisierung werden sie die Aushängeschilder bleiben, können für Begeisterung sorgen, Dinge retten – und im Umkehrschluss auch vieles kaputt machen. Gleichzeitig hat gerade auch der Tourismus als eine der ersten Branchen eine Vielzahl von Formen der New Work hervorgebracht - von Digital Nomads bis zu Start Ups wie Komoot. Beispiele aus den eigenen Reihen, von denen man lernen kann.

Auch im Tourismus brauchen wir eine wertschätzende Unternehmenskultur, damit die Mitarbeiter nicht schon bald wieder weiterziehen.

Grundvoraussetzung um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, ist eine wertschätzende (und ich spreche hier von gelebter Wertschätzung, nicht von an die Wand geklebten Wörtern) Unternehmenskultur, in der situative Führung für klare Ziele sorgt. Sie haben vielleicht in letzter Zeit auch schon öfter den Spruch gelesen: Menschen verlassen keinen Job, sie verlassen einen schlechten Chef. Und bei allen Diskussionen ist klar, dass eine positive Unternehmenskultur nur entstehen kann, wenn die Führung hinter ihr steht und sie lebt. Wenn eine Region, eine Institution, ein Betrieb eine klare Ausrichtung, ein stimmiges Narrativ hat, das sich nach innen wie nach außen zeigt, wird das auch für den Gast erlebbar.



Das ist auch schon die Antwort darauf, was das mit Coaching zu tun hat. Coaching kann dabei helfen, die Ideen von Führungskräften zu verdeutlichen, den eigenen Führungsstil zu erkennen und daraufhin zu überprüfen, ob er auf diese Ziele einzahlt. Coaching kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in schwierigen Situationen helfen oder bei Konflikten unterstützen. Und schlussendlich ist Coaching auch ein Zeichen dafür, dass ein Unternehmen seine Führungskräfte und überhaupt alle Mitarbeiter schätzt, ernst nimmt und davon überzeugt ist, dass jede und jeder zum Erfolg beiträgt. Warum sonst sollte man Geld und Zeit aufwenden, damit Menschen sich mithilfe des Coaches weiterentwickeln können.

Klar ist auch: Coaching ist in vielen Bereichen des Tourismus noch ein Fremdwort, wird als wenig hilfreich oder sogar irgendwie esoterisch beäugt. Vielleicht hilft ja auch hier ein Blick über den Tellerrand in andere Branchen. Dort wird die Investition in Coaching mit einer klaren ROI-Rechnung geprüft. Was kostet ein demotivierter Mitarbeiter? Was kostete es, neue MitarbeiterInnen zu suchen und einzulernen? Was kostet mich eine Führungskraft, die sich über ihren eigenen Führungsstil nicht im Klaren ist? Und dem gegenübergestellt: was kostet das Engagement eines Coaches? Coaching ist am Ende eben auch eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.

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